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Wer das Ruhrkolleg betritt, der hört erst einmal gar nichts. Drinnen ist es ruhig. Auch in den Pausen rennt niemand herum, erklingt in den Gängen kein Kreischen. Denn hier lernen Erwachsene. Diese Erkenntnis im Umgang mit den Studenten zu berücksichtigen, sei auch für die 37 Lehrer von zentraler Bedeutung, so Rainer Wagner. Der 55-Jährige unterrichtet seit 1987 am Ruhrkolleg. "Disziplinprobleme gibt es hier nicht, trotzdem aber Auseinandersetzungen", weiß der Vertrauenslehrer. Die meisten Konflikte entstünden, wenn die Studenten sich "oberlehrerhaft" behandelt, in ihrer Ehre angegriffen fühlten. Wagner ist für die Begegnung auf Augenhöhe. "Der Lehrer weiß mehr als ich und soll es mir beibringen, aber er stellt sich nicht über mich." Wenn Wagner eine Klasse länger kennt, bietet er das "Du" an. Auch wenn das oft merkwürdig sei, schließlich habe er ja als Lehrer, der die Noten gibt, ein wenig Macht über die Studenten.Für die Lehrer an Weiterbildungskollegs gibt es keine spezielle Ausbildung, aber Fortbildungen. "Wer erpicht darauf ist, mit Steppkes zu tun zu haben, ist hier falsch." Kinder sind zwar spontaner und süßer, dafür haben die Kollegschüler die Pubertät hinter sich. Der studierte Gymnasiallehrer hat sich bewusst dafür entschieden, im zweiten Bildungsweg zu arbeiten. "Die Studenten haben mindestens einen Knick in der Karriere." Am Ruhrkolleg kann er Schülern helfen, die sich anstrengen. Denn der Großteil der Schüler habe die Idee: "Ich mach' mehr aus mir." Aber der Anteil derjenigen, die orientierungslos sind, nicht wissen, ob sie ihr Abitur wirklich nachholen wollen, sei größer geworden. Gerade in den ersten Semestern brechen viele Studenten die Schule wieder ab. "Die zunehmende Tendenz der Verarmung kriege ich auch hier mit." Als Kolleglehrer müsse er zwangsläufig verständnisvoller sein. "Die Leute haben teilweise Kinder, müssen ihren Lebensunterhalt verdienen." Er nimmt Rücksicht. Er gibt in seinen Fächern Deutsch und Philosophie wenig Hausaufgaben auf, weil er weiß, dass die Studenten in anderen mehr machen müssen. Doch Wagner ist wichtig: "Wir sind keine Sozialstation, sondern eine Schule, die Leistungen fordert."
WAZ 17.Mai 2008 Katharina Bons
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